Dein Blick auf meinem Haar

Ich sehne mich nach dir,
In meiner lächerlichen Not.
Wie altes Treibholz liege ich am Ufer,
Nach der Flut,
Glatt, alle Widerstände abgewaschen
Von den wilden Wogen meines Alltags.
In mir will ich dich spüren, 
Deine Nähe, meine Geborgenheit,
Dir alle Fragen stellen,
Auf die ich keine Antwort weiß.
Ich ahne deine Nähe, immer,
Ohne Frage, ohne Zweifel.
Aber deine Antworten gehen viel zu oft
Unter in den unheilvollen Tränen
Meiner Furcht vor dem Aufstieg,
Der mir zu steil erscheint. 
Kann ich dich hören,
Durch die Wogen meines Herzens,
Kann ich dich ahnen,
In den wirbelnden Gedanken,
Die dichte Netze weben,
Um unser Meer der Einheit?
Ich sehne mich so sehr nach dir,
Nach deinem ruhigen Blick
Auf meinem Haar.
Wirst du mich retten, 
Will ich fragen,
Doch auch diese Frage
Kann meine Stimme nicht mehr stellen,
Nur dir, nur dir gehorcht sie noch!
Jede Zelle hast du besetzt
Mit deiner Gegenwart,
Mein Albtraum findet keine Heimat mehr.
Nur vor meinen Augen 
Baut er sich auf, als Nebelbank
Als Abgrund ohne Ende.
Ich sehne mich nach dir, wie du weißt.
Lächeln seh ich dich, als wäre alles gut.
Du musst es ja wissen.

Januar 2006
Uwe Vamdev Franz

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