Arbeit und Dienen

Yoga in den Alltag bringen

Arbeit und Dienen, das ist für viele ein ständiger Zwiespalt, wie müssen und wollen. Wer gründlich über sich und den eigenen Platz in dieser Welt nachdenkt, der wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass Dienen uns Menschen schon sehr gut zu Buche steht. Wer einsieht, dass Geld allein nicht glücklich macht, dass es nicht einmal als Hauptziel tauglich ist, der stellt sich sehr bald die Frage, wie man dem Leben Tiefgang verleihen kann.

Dienen ist bestimmt eine Antwort, die über die Befriedigung des Eigenen weit hinaus weist.

In einem Gespräch mit dem Veranstalter eines meiner Yogakurse in Atlanta kam etwas Wunderbares zu Tage. Wir diskutierten Möglichkeiten, einen Kurs mit mir bekannt zu machen. Er und seine Frau sind Heilpraktiker und haben eine gutgehende Praxis. Er sagte zu mir: Weißt du, wenn du wirklich der Gesundung des Menschen dienen willst, dann kannst du einfach nicht mit der Angst hausieren gehen. Wir können nur verheißen, nicht vor schlimmen Auswirkungen warnen. Wir können Menschen nicht mit Angst ködern.«

Ihm war also klar geworden, dass er dienen möchte und da gehen halt ganz bestimmte Dinge nicht mehr: Weder das Drohen mit der Hölle, noch Panikmache vor den furchtbaren Folgen eines ungesunden Lebens. Da er tatsächlich das Wohl anderer im Schilde führt, gibt er die zumindest anfänglich lukrativere Methode des erhobenen Zeigefingers auf.

Tukaram, ein Dichterheiliger aus Maharashtra, der im 17. Jahrhundert gelebt hat und dessen Lieder auch heute noch gesungen werden, schrieb: »Wenn du dein Leben nicht für das Wohl anderer hingibst, welchen Sinn hat dann dein Leben auf dieser Welt? Dann wäre es schon besser gewesen, deine Eltern hätten dich erst gar nicht gezeugt.« Starke Worte. Wer versteht, dass und wie alle Dinge zusammenhängen, kommt unausweichlich zum Dienen. Allerdings ist das Wort »Dienen« vorbelastet: Dienen als Ausdruck von Nächstenliebe, selbstloses Dienen, bis hin zum Kundendienst, den man gefälligst über sich ergehen lassen muss und für den man auch kräftig zu bezahlen hat.

Wer gerne den Weg des Dienen gehen möchte, wird sich fragen: Wie kann ich dienen und verdienen unter einen Hut bringen, geht das überhaupt? Ich muss doch auch überleben.

In den Yogaschriften, besonders in der Bhagavad Gita, wird deutlich, dass Dienen in eine andere Richtung weist. Es geht dabei um die innere Einstellung, um innere Haltung und weniger darum, was man tut. Es geht um die Absicht, die hinter unseren Handlungen steckt. Deshalb ist Dienen und jegliche Form der Übung, die in uns Dienen ermöglicht, von großem Wert für jeden Yogaübenden.

Im Dienen fließt unser Herz durch unsere Hände, durch unsere Zunge, durch unsere Gedanken und Gefühle nach außen. Dienen ist der Schritt aus der Meditation in die Welt. Im yogischen Sinne macht Dienen aus unserer Meditation, aus unserer Mantraarbeit, aus unseren Körperübungen das Geschenk an die Welt, das sie von uns erwarten darf.

Dienen oder Verdienen, in Wirklichkeit geht es gar nicht um diese Frage, geht es nicht einmal um die viel zitierte Selbstlosigkeit! Wenn es uns nur um diese Fragen geht, dann bleibt jedes Dienen an der Oberfläche, ist der eigene Yoga noch unverdaut und oft sogar im Zwiespalt mit unserem (Gottseidank) sehr kraftvollen Leben - Theorie, die nur darauf wartet, von der Praxis eingeholt zu werden.

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de/texte/arbeit_und_dienen.txt · Zuletzt geändert: 2010/06/15 14:33 (Externe Bearbeitung)