Warum der Meister im Yoga unverzichtbar ist

Nur ein Meister verhilft seinen Schülern zur Freiheit

Wäre es nicht auf gefährliche Weise unsinnig, wenn ein, wohl gehtüchtiger, Mensch, nach ausführlichem Bücherstudium ohne Bergführer den Nanga Parbat besteigen wollte? Gäbe es da wirklich ein ernst zu nehmendes Für und Wieder?

Wenn du zum ersten Mal in ein Auto steigst, ohne weiteres fähig zu koordinierter Bewegung von Händen und Füßen, aber ohne Hilfe, nur mit Wissen aus Filmen und Büchern und Tipps von Freunden, und über den Eigerplatz in Bern fährst, zur Stoßverkehrszeit, wäre das nicht gefährlich, für dich UND für die anderen Verkehrsteilnehmer? In unserer Kultur würde man dich hart bestrafen, und alle wären empört ob deiner Dummdreistigkeit.

Kein Containerschiff darf den Hudson River bei New York raufschippern, ohne Lotse, ohne Führung. Und man bezahlt sie sehr gut, diese Lotsen, sie haben eine herausgehobene Stellung, sind unverzichtbar.

Alle wesentlichen Dinge des Lebens haben wir von anderen Menschen gelernt. Als du das so wichtige Gehen gelernt hast, da bist du auch nicht zu verschiedenen Gehlehrern gegangen, hast dir verschiedene Gehstile angesehen, und dir dann nach reiflichen Überlegen aus den verschiedenen Stilen deinen ganz eigenen, unverkennbaren entwickelt. Nein, du hast das von deinen Eltern gelernt oder deinen primären Bezugspersonen. Die Natur hat dir diese Wahl gar nicht gegeben.

Genauso ist es Unsinn, sich ohne Meister auf den geistigen Weg zu wagen.

Klar ist, dass heute Yoga für die meisten Menschen nicht mehr als geistiger Weg firmiert. Für wöchentliche yogaähnliche Dehnungsübungen braucht es keine Meisterin. Diesem Wellnessaspekt wird auch ein gut ausgebildeter Übungsleiter gerecht.

Für alle anderen gilt das Obige: ohne Meister sich auf den Weg zu machen, ist einfach ein Zeichen von Unwissenheit über die Problematik der Aufgabe, oder, was noch trauriger ist, ein Zeichen für ein überbordendes Ego, das nicht mehr belehrbar ist.

Alle Kulturen, außer der abendländischen, kennen UND ehren den lebenden geistigen Meister. Im Yoga ist er von je her die zentrale Figur für einen Menschen, der sich vollkommen entfalten möchte. Das wird in den meisten Texten erwähnt, in vielen aber auch nicht, weil es selbstverständlich ist. Selbst auf Wegen, die den Versuch unternehmen, Initiation auf dem Yogaweg durch Übung zu erreichen, wie das in der Hatha Yoga Pratipika dargestellt ist, wird die Notwendigkeit des Meisters eigens betont (Kap. 2, Vers 1).

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de/texte/warum_der_meister_im_yoga_unverzichtbar_ist.txt · Zuletzt geändert: 2010/06/15 14:33 (Externe Bearbeitung)