Der Yoga der Lebensumarmung

Wie man sein Schicksal liebgewinnt

Je nach der Wahrnehmung des Stands der Dinge wird es immer wieder modern,, über die Krisen in unserer Kultur, Wirtschaft oder Gesellschaft zu diskutieren. Das hat seinen Grund in erster Linie darin, dass im Negativen große Dynamik liegt (es kann sich halt selbst nicht ausstehen) und es viel dazu zu sagen gibt. Wir finden Trost in der Ansicht, dass die Dinge aus guten Grund nicht gut laufen. Wir sehen unsere Vernetztheit mit unsere Zeit, mit Menschen um uns herum und finden gute Erklärungen für die Umstände unseres Lebens.

Und bringen uns damit in eine ganz mißliche Lage. Indem wir annehmen, dass bestimmte äußere Umstände unsere Leben bestimmen, geben wir unsere Macht auf, die uns als Autoren unseres Lebens zusteht. Unser Ego hat uns erfolgreich eingeredet, dass es Situationen im Leben gibt, die man als gegeben hinnehmen muß, und dass man halt nicht immer etwas gegen sie tun kann, daß es schwierige Zeiten gibt, in denen es darum geht, einfach nur durchzukommen, etc. Nicht nur glauben wir diese Märchen, sondern halten uns an sie mit Vehemenz und Entschlossenheit. Sie bilden die Grundlage unseres Verhaltens und unserer Überzeugungen.

Klar ist, dass fast alle Menschen das so sehen und wir uns in diesen Phasen oft in bester Gesellschaft befinden. Je länger man allerdings auf dem Yogaweg ist, desto unbefriedigender wird diese Sichtweise. Je mehr uns unser Leben bedrängt mit seinen ständigen Herausforderungen, desto mehr sind wir gehalten, nach anderen Sichtweisen zu suchen.

Im klassischen Yoga können wir eine Möglichkeit entdecken, die unser Leben insgesamt in einem neuen Licht erscheinen läßt. Diese Möglichkeit bietet uns echte Freiheit an, zeigt, wie wir unsere Urheberschaft über unser Leben wieder ergreifen können.

Dazu möchte ich etwas ausholen. Ein Begriff aus der indischen Kultur, der heute in vieler Munde ist und daher häufig mißverstanden wird, ist Karma. Oft bezeichnet mit dem Gesetzt von Ursache und Wirkung wird es unserer eigenen spirituellen Prägung gemäß ausgelegt. So gibt es Autoren, die behaupten, dass es besser wäre, den Menschen, die in Afrika verhungern, nicht zu helfen, da wir ihnen damit die Möglichkeit rauben, ihr gewähltes Karma auszuleben. Andere erklären, was gutes und was schlechtes Karma ist. Es gibt vedische Astrologen, die behaupten, Heilmittel gegen schlechtes Karma zu haben. Vorstellungen dieser Art sind für mich immer Anzeichen dafür, dass jemand dieses Thema nicht in die Tiefe erforscht hat. Sehr leicht kann man heute allerlei Texte zu Karma lesen, sich Informationen aneignen, ohne sie im Herzen verdaut zu haben.

Karma wurzelt in der Liebe, die zu allem ja sagt, die allen alle Möglichkeiten offenläßt. Karma ist das Prinzip der Wunscherfüllung, ohne Wertung, ohne Beurteilung. Wenn du einen starken Wunsch in diesem Leben hast, nach dessen Erfüllung du dich sehnst, dann wird dieser Wunsch erfüllt. Alle Wesensformen, von scheinbar leblosen Bergen bis zu bewußten Lebewesen, stehen uns zur Wunscherfüllung zur Verfügung. Oft wird versucht, unser Verständnis davon, wer weit entwickelt oder noch nicht so weit entwickelt ist, auch auf das Gesetz von Karma zu übertragen.

Doch das funktioniert einfach nicht, wenn Liebe die Ursache für Karma ist. Es gibt also eigentlich keinen Aufstieg oder Abstieg. Ich kenne eine Frau, für die das Gebären die höchste Lebenserfahrung ist. Sie hat mir einmal erzählt, das könnte sie ewig machen. Jetzt ist natürlich der menschliche Körper für das ständige Gebären nicht wirklich geeignet. Es gibt andere Lebewesen, die das viel besser und öfter, ohne all die Wehenschmerzen zustande bringen: Mäuse, Hunde Katzen, die Vielgeburten haben und das auch mehrmals im Jahr. Sie haben keine Wechseljahre, keine Periodenkrämpfe oder Hormonstörungen.

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de/texte/yoga_der_lebensumarmung.txt · Zuletzt geändert: 2010/06/15 14:33 (Externe Bearbeitung)